Veredeln / Pfropfung

 

Beim Veredeln, häufig auch Pfropfen genannt, wird eine Unterlagenpflanze, die die Wurzel liefert mit einem Edelreis oder Pfröpfling zusammengefügt.

 

Diese Vermehrungsmethode wird häufig dann gewählt, wenn das Edelreis oder der Pfröpfling nicht oder nur schwer auf der eigenen Wurzel wachsen kann oder die Entwicklung beschleunigt werden soll.

 

  • Die beliebten roten „Erdbeerkakteen“ Gymnocalycium mihanovichii cv. Rubrum bilden kein Chlorophyll. Durch den Kunstgriff des Veredelns erhalten sie durch die Unterlage alles was sie brauchen.

 

  • Manche Sukkulenten benötigen viele Jahre bis sie das erste Mal blühen. Durch Pfropfen kann man sich schon nach kurzer Zeit an der Blüte erfreuen und Samen erzeugen

 

  • Durch beschleunigtes Wachstum kann rascher Vermehrungsmaterial erzeugt werden.

 

  • Zur Rettung einer seltenen Pflanze bei der eine Infektion von der Wurzel her das Leben bedroht kann noch eine „Notpfropfung“ probiert werden
 

 

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Cristate gepfr.

 

Welche Arten kann man veredeln?

 

Grundsätzlich lassen sich Arten aus einer Familie aufeinander veredeln. Folgende Arten haben sich besonders bewährt.

  • Kakteensämlinge pfropft man auf Pereskiopsis oder Selenicereus, ältere Reiser auf Echinopsis pachanoi, spachianus, pasacana, Eriocereus jusbertii, wenig sprossende kugelige Echinopsis sowie weichfleischige Reiser auf Myrtillocactus geometrizans.

  • Unterlagen für Wolfsmilch sind E. canariensis, E. ingens, E. candelabrum, E. grandicornis, E. trigona und E. obesa. Vor dem Pfropfen muss Unterlage und Reis durch Absprühen mit Wasser so vorbereitet werden, dass kaum noch Milchsaft austritt. Dabei müssen Sie sich vor Berührung mit dem ätzenden Milchsaft schützen.
  • Aasblumen (Asclepiadaceae) werden häufig auf Ceropegia woodii Knollen gepfropft, auch Hoodia gordonii eignen sich.

  • Die Madagaskarpalmen Pachypodium lamerei oder geayi eignen sich als Pfropfunterlage für empfindliche oder sehr langsam wachsende Dickfußgewächse.

  • Oleander gehört zur gleichen Familie wie die Wüstenrose Adenium. Sehr schöne Kreuzungen mit unterschiedlichen Blütenfarben können auf Oleander aber auch auf Adenium obesum Wildform selbst veredelt werden.

 

          Cristate gepropft 1.jpg          pachypodium gepfropft          copiapoa laui gepfropft

            Cristate gepfr.                         Pachypodium gepfr.                  Copiapoa laui gepfr.

 

Die Technik des Pfropfens

 

Ab Anfang Mai bis Ende August sind Unterlagen wie Edelreiser voll im Trieb und saftig, die Zeit zum Pfropfen. Sie werden einige Tage vor dem Pfropfen gut gewässert. An einem warmen Tag schneidet man kurz unter dem Neuaustrieb den Kopf der Unterlage mit einem waagerechten glatten Schnitt in einem Zug ab. Dann wird die Außenkante etwa 5 mm schräg entfernt. So verhindern Sie, dass gleich am Pfröpfling die Unterlage auswächst. Dadurch verhindern Sie, das Reis und Unterlage sich behindern. Vom Pfröpfling wird ebenfalls mit ebenem Schnitt das untere Teil entfernt und die Rippen abgekantet. So vorbereitet schieben Sie es seitlich auf die Unterlage sodass keine Luft und Fremdkörper dazwischen bleiben und beide Leitbündel sich wenigstens teilweise decken. Das Fixieren des Pfröpflings kann durch Beschweren oder am einfachsten mit 2 kreuzweise unter dem Topf durchgezogenen Gummiringen geschehen. Das Stecklingsmesser soll eine dünne, scharfe und glatte Klinge haben, die nach jedem Schnitt mit Spiritus desinfiziert wird. Die Pfropfung wird hell und warm aber nicht sonnig aufgestellt. Nach 1 – 2 Wochen muss diese angewachsen sein und die Gummis können entfernt werden. Bis dahin muss unbedingt vermieden werden Wasser an die Pfropfstelle zu bringen. Eine höhere Luftfeuchtigkeit ist günstig und für Sämlingspfropfungen auf beispielsweise Pereskiopsis nötig. Wenige Tage alte Sämlinge werden nicht mit Gummis fixiert sondern lediglich vorsichtig angedrückt.

 

>  Fotoserie Propfen Schritt für Schritt